FAQ

Schule1Wann wurde das Schulprojekt gegründet?

1996 wurde die Schule vom Berliner Geistlichen Lorenz Gawol und Sr. Kuningunde, der Ordensoberin der Franziskanerschwestern von Vöcklabruck, ins Leben gerufen. Das erste Schulgebäude ist rechts abgebildet.

Warum wurde die Schule gegründet?

Die Schule wurde gegründet, um den Menschen in der ländlichen Region eine Lebensperspektive zu geben. Mit dem Ende der Sowjetunion begann für Kasachstan in den 1990er Jahren eine lange und schwierige Phase des Umbruchs. Über Nacht hatten viele staatlichen Institutionen ihre Grundlage verloren. Die Beamtengehälter waren niedrig und konnten monatelang nur teilweise oder überhaupt nicht ausgezahlten werden. Um überhaupt überleben zu können, versuchten viele Lehrer und Pädagogen ihr Glück in der aufblühenden freien Marktwirtschaft. Demzufolge war auch die Schulausbildung allgemein in einem entsprechend schlechten Zustand.

d2Wer ist heute Träger der Schule?

1999 bat Lorenz Gawol P. Eichenhüller von der Kongregation der Diener Jesu und Mariens (SJM) die Leitung der Schule zu übernehmen. Seit dem Jahr 2000 wird das Schulprojekt nun von der genannten Ordensgemeinschaft und den Franziskanerschwestern von Vöcklabruck gemeinsam getragen. 2011 übernahm P. Wollnie SJM die Gesamtleitung des Projekts. Im Jahr 2012 kam es zu einer formellen Kooperation mit dem kasachischen Staat. Foto: P. Eichenhüller (rechts), Prälat Gawol (links).

Wie ist die Situation heute?

Aus westlicher Perspektive sind die Lebensbedingungen im Dorf Korneewka auch heute noch sehr einfach. Die meisten Haushalte verfügen über kein fließendes Wasser und entbehren damit selbstverständlicher Hilfsmittel wie Waschmaschine, Geschirrspüler, Dusche oder Wassertoilette. Konkret bedeutet dies, dass der größte Teil des täglichen Bedarfs an Wasser über einige wenige Dorfbrunnen gedeckt werden muss, auch im Winter bei Temperaturen jensweits von – 40°C. Der Durchschnittslohn in Korneewka ist so niedrig, dass viele Familien nur überleben können, weil sie Selbstversorger sind.

Was umfasst der Schulkomplex heute?

Im Herbst 2012 wurde der Mittelschulkomplex St. Lorenz wegen der überdurchschnittlich guten Ergebnisse seiner Absolventen in den vergangenen Jahren staatlicherseits offiziell zum Gymnasium aufgewertet. Der Schulkomplex umfasst heute einen Kindergarten mit Vorbereitungsklasse und das Gymnasium mit einer Grund-, Mittel- und Oberstufe. Nach dem hier üblichen Schulsystem können die Schüler nach der 9. Klasse bereits einen Schulabschluß erwerben, der ihnen die Möglichkeit bietet, ein Kollege zu besuchen. Aber fast alle unserer Schüler besuchen den Unterricht weiter, um dann in der 11. Klasse die Hochschulreife (ENT) zu erwerben, die Voraussetzung für die Aufnahme an einer Universität ist. Zum Komplex gehört außerdem ein Internat und ein Lehrerwohnheim. Hier wohnen Schüler und Lehrer aus anderen Orten, da für viele die tägliche Anreise zu weit oder zu kostspielig wäre.

P1030690Welche Perspektiven bietet die Schule den Jugendlichen?

Kasachstan ist flächenmäßig das 9. größte Land der Erde und hat ca. 16. Mio. Einwohner. Die Entfernungen sind groß und gewöhnlich sind nur die Hauptverbindungsstraßen gut ausgebaut. Auf dem Land sind die Verkehrswege oft in schlechtem Zustand und meistens nicht geteert. Vor allem in den langen Wintermonaten kommt es häufig vor, daß viele Dörfer aufgrund von Schneestürmen tagelang von der Außenwelt abgeschnitten sind.
Trotz eines guten Schulabschlusses in einer Dorfschule in Kasachstan fehlt den Jugendlichen häufig eine Lebensperspektive, sei es wegen der weiten Wege zu einem guten Arbeitsplatz, sei es wegen der hohen Studiengebühren. Seit 2009 ist unsere Schule offizieller Partner der Deutschen Bundesregierung. Den Schülern öffnen sich damit über den Erwerb des Deutschen Sprachdiploms (DSD) ganz neue Perspektiven, z.B. im Hinblick auf Studienmöglichkeiten im Ausland. Mit Hilfe der Deutschen Botschaft in Astana konnten wir einen Kontakt zur Eurasia Group, einer deutsch-kanadischen internationalen Firma für landwirtschaftliche Maschinentechnik, herstellen und damit den Schülerinnen und Schülern weitere Berufsoptionen ermöglichen.

Warum bemühen sich zwei Ordensgemeinschaften um den Erhalt des Schulprojekts?

Durch Bildung und Erziehung helfen wir Kindern und Jugendlichen, zu selbständigen und verantwortlichen Persönlichkeiten zu reifen, das eigene Leben zu meistern, sich für andere einzusetzen und den tieferen Sinn der menschlichen Existenz zu erkennen. Beide Gemeinschaften verstehen das Schulprojekt als konkrete Verwirklichung des Wortes Jesu „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“(Mt 25,40).